Man muss schon selber mit Campbell gearbeitet haben, um zu wissen, wie mannigfach sein Bemühen war, die Dinge voranzutreiben, und was er eigentlich unter „Sciencefiction“ verstand. Ich habe keine überlieferte Aussage von ihm zur Hand, auf die ich mich stützen und mit der ich ihn zitieren könnte; ich muss mich darauf beschränken, meine persönliche Erfahrung über sein Bemühen wiederzugeben. Wir sind im Laufe der Zeit Freunde geworden. In unseren unzähligen Gesprächen, die wir irgendwo beim Essen führten oder in seinem Büro oder an Wochenenden bei ihm zu Hause (wo man immer die fürsorgliche Hand seiner Frau Doña spürte), ging es um Geschichten und um ihren wissenschaftlichen Hintergrund. Es wäre eine unzulässige Vereinfachung, sagen zu wollen, dass Campbell Sciencefiction schlichtweg mit Prophezeiungen gleichgesetzt hätte. Er hatte eine viel klarere Vorstellung davon.
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Nur etwa ein Zehntel der Geschichten, die ich geschrieben habe, hatten etwas mit Sciencefiction und Fantasy zu tun. Ich war das, was man einen „Schnellschreiber“ nennt, und der Markt für Sciencefiction wäre gar nicht groß genug gewesen, um all das aufzunehmen, was ich schreiben konnte. Zunächst hatte ich mir, während der acht Jahre vor dem Gespräch mit Street and Smith, einen Namen mit Veröffentlichungen anderer Art gemacht.
Ich will mich nicht zu sehr darüber verbreiten, aber Campbell hielt die meisten Geschichten, die ich ihm ablieferte, nicht für Sciencefiction, sondern für Fantasy, und das ist, genau betrachtet, etwas ganz anderes. Einige meiner Geschichten veröffentlichte er ausdrücklich als Sciencefiction, darunter auch Final Blackout, um nur eine von vielen zu nennen. Ich konnte mich bei meiner Arbeit durchaus auf naturwissenschaftliche Grundkenntnisse stützen, und ich hatte sogar, was Raketentechnik und Flüssigkeitsantrieb betraf, ein wenig Pionierarbeit geleistet. Aber was mich damals wirklich faszinierte, waren Studien über den wissenschaftlichen Erkenntnisstand der Menschen in der Vergangenheit, weil ich herausfinden wollte, ob und wodurch ihnen jemals Bahnbrechendes gelungen war. Diese Frage und meine Vorliebe für die alten Erzählungen, die man heute unter dem Titel Tausendundeine Nacht kennt, brachten mich dazu, tatsächlich ein bisschen so zu schreiben, dass man meine Geschichten dem Genre Fantasy zuordnen konnte. Um diese Geschichten unterzubringen, gründete Campbell eine andere Zeitschrift, das Magazin Unknown. Die Zeitschrift behauptete sich auf dem Markt, solange ich Romane für sie schrieb. Aber dann kam der Krieg, und ich musste, wie viele andere, fort und Unknown hielt sich, soweit ich weiß, nur ungefähr drei Jahre. Es war nicht leicht, Romane und Geschichten von dieser Art aufzutreiben, und diese spezielle Richtung war auch nicht gerade Campbells Stärke.
Wenn man also jemandem klarmachen will, dass Sciencefiction ein spezieller Zweig der Fantasy ist und deutlich von ihr abgegrenzt werden kann, dann befindet man sich unglücklicherweise im Widerspruch zu einer heute allgemein anerkannten Festlegung der Begriffe; es ist ein Zeichen der Zeit, die Genres miteinander zu vermischen. Ich stelle dasselbe bei der Musik fest; da werden auch die unterschiedlichsten Formen zu einem Brei zusammengemengt. Oder man nehme den Tanz: Da werden so viele Stilarten ineinander verwoben und zu einem einzigen „Tanz“ verbunden, dass ich mich fragen muss, ob die Choreografen überhaupt noch die Möglichkeiten unterschiedlicher Ausdrucksformen beim Tanz kennen. Die vorherrschende Meinung ist heutzutage, dass etwas Neues nur noch aus dem Widerstreit entstehen könne. Vielleicht 1ässt sich das auf den Philosophen Hegel zurückführen, aber ich gebe doch zu bedenken, dass er auch gesagt bat, Kriege seien um des geistigen Heiles der Menschen willen nötig, und anderen Unsinn. Wenn alle neuen Ideen nicht anders entstehen können als dadurch, dass man schon bestehende Ideen im Widerstreit zueinander sieht, dann muss man konsequenterweise auch die Möglichkeit leugnen, dass zuvor nie gedachte Ideen überhaupt geschaffen werden können.
Also, was ist denn nun unter Sciencefiction reinster Machart zuverstehen?
Nimmt man es ganz wörtlich, dann muss Sciencefiction etwas mit dem Zeitalter der science, der Naturwissenschaften zu tun haben. Aber auf die Gefahr hin, dass ich einen Aufschrei des Widerspruchs hervorlocke (ein Risiko, das ich mein ganzes Leben langeingegangen bin; wobei es mich, wenn ich dann wirklich Widerspruch geerntet habe, nicht weiter gekümmert, sondern nur veranlasst hat, unbeirrt meinen Weg zu gehen und meine Arbeit zu tun), also, auf diese Gefahr hin will ich ein paar Dinge klarstellen:
Eine Einführung in die Sciencefiction Fortsetzung...
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